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Marktkommentar August 2022

Nicht zu Unrecht heißt es in Kommentaren über Aktienmärkte, dass der Bärenmarkt möglicherweise noch nicht zu Ende ist. Denn die Gesamtsituation für Wirtschaft und Aktienmärkte hat sich nicht wesentlich verändert, auch wenn die Kurse im Monat Juli richtige Sprünge nach oben vollzogen haben. Weiterhin im Fokus bleiben der seit fünf Monaten andauernde Russland-Ukraine Krieg, die Notenbankpolitik, Inflations- und Wirtschaftsdaten und hinzu kommt noch die Angst vor einer Eskalation des Konflikts zwischen China und Taiwans.
Zunächst stellen wir die Zentralbanken in den Fokus, welche auf die weiterhin viel zu hohen Inflationsraten reagiert und die Leitzinsen angehoben haben. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat mit ihrem Zinsschritt von 0,50 % nach vielen Jahren das negative Zinsumfeld verlassen und die amerikanische Federal Reserve (Fed) hat die US-Leitzinsen erstmalig nach 2018 auf über 2% angehoben. Außerdem haben sowohl die EZB als auch die Fed deutlich gemacht, dass sie in den kommenden Monaten stärker auf die Entwicklung der Daten reagieren werden.
Dies verdeutlicht die hohen Unsicherheiten über die zukünftigen Inflationsentwicklungen. Die vergangenen Zinsanhebungen sorgten in den Märkten für wenig Überraschung, weshalb die Reaktionen sehr moderat ausfielen.
Wenn man die aktuellen amerikanischen Wachstumszahlen betrachtet, stellt sich nicht mehr die Frage, wann die Rezession kommt, sondern wie lange sie andauern wird. Die USA hat aktuell eine inverse Zinsstrukturkurve. Was bedeutet das? Die Zinsen von längerfristigen US-Anleihen (z.B. zehn Jahre) sind geringer als die von kurzfristigen (z.B. sechs Monate oder ein Jahr). Wie kommt es dazu? Eine solche inverse Zinsstruktur entsteht, wenn man langfristig von fallenden Zinsen am Kapitalmarkt ausgeht und somit die Nachfrage nach langfristigen Anlagen, die derzeit besser verzinst werden, merklich höher ist als nach kurzfristigen Anleihen. Durch die damit verbundenen Kurssteigerungen der Langläufer werden gleichzeitig die Renditen geschmälert.

Dieses Szenario ist aus der Historie heraus in der Volkswirtschaft ein Indikator für eine angehende oder bereits vorhandene Rezession.

Eine Rezession spiegelt sich auch im realen Wirtschaftswachstum (GDP) in den USA wider. Nach einem schwachen ersten Quartal mit -1,6% lässt das zweite Quartal mit -0,9% auch nur wenig Euphorie aufkommen. Die Stimmung der Investoren an der Börse, gemessen an den Einkäufermanager-Indizes, befindet sich erstmals seit der Corona-Pandemie wieder auf einem Tiefstand.
Die Inflationsraten in den USA und der Eurozone erreichten mit 9,1% und 8,9% jeweils neue Höchststände seit den 90er Jahren. In den USA ist der deutliche Preisanstieg in allen Bereichen des Lebens erkennbar. Die erhöhten Lebenshaltungskosten verbunden mit einer hohen Anzahl offener Stellen haben zu einem Lohnwachstum von ca. 6 % geführt. Zusätzlich sind die Preise für Mieten in den letzten Monaten merklich gestiegen. Der nur leichte Rückgang bei der Güternachfrage wird kaum ausreichen, um den stabilen Arbeitsmarkt mit über 11 Mio. offenen Stellen merklich abzukühlen.
Obwohl der US Dollar fundamental überbewertet scheint, die EZB die Zinsen mehr als erwartet erhöht hat, das US-Wachstum sich abschwächt und China seine Wirtschaft stimulieren muss, kommt es zu praktisch keiner positiven Reaktion des EURO. Da sich in den letzten Wochen leider zudem eine Reihe von nicht unrealistischen Risikoszenarien für Europa entwickelt haben, die den EURO nochmals deutlich tiefer notieren lassen könnten, sind die Märkte weiter an dem „sicheren Hafen“ in Richtung US Dollar interessiert, was bei dem dort herrschenden Zinsniveau nicht verwerflich ist.
Die Bedrohung eines Angriffs Chinas war für Taiwan schon vorher präsent, aber seit die US-Abgeordnete Nancy Pelosi nach Taipeh gereist ist, macht China noch mehr Druck auf Taiwan. Seit Jahren droht China damit, Taiwan mit dem Festland „wiederzuvereinigen“. Notfalls soll das, wenn es nach Staatschef Xi Jinping geht, mit Gewalt geschehen. Für die VR China ist Taiwan ein Teil des eigenen Territoriums, über das Peking zwar keine Gewalt hat, das aber doch fest zum eigenen Staatsgebiet gehört. Faktisch hingegen ist Taiwan ein eigener Staat, mit einer eigenen Regierung, einer eigenen Armee und mit einer Demokratie, wie sie lebhafter kaum sein könnte
Ein chinesischer Angriff auf Taiwan hätte enorme Auswirkungen auf die gesamte Welt, vor allem wirtschaftlich. Einer der wichtigsten Halbleiterhersteller, das Unternehmen Taiwan Semiconductors, hat auf der Insel seinen Sitz. Die Chips von TSMC stecken aktuell weltweit in sämtlichen Elektronikprodukten. Für die USA hat Taiwan zudem eine herausragende strategische Bedeutung. Aufgrund seiner Lage bildet es gemeinsam mit Südkorea, Japan und den Philippinen eine amerikanisch dominierte Kette um China herum. Fällt Taiwan, würde sich für Peking das Tor zum Pazifik öffnen, was eine Weltmacht wie die USA nur schwer zulassen wird. Zudem dürfte der Ukraine-Krieg Peking gezeigt haben, was passiert, wenn man in ein Land einmarschiert und nicht mit offenen Armen empfangen wird, sondern mit massivem Widerstand.
Geduld und Vernunft sind unter all den bekannten politischen und wirtschaftlichen Problemen zukünftig mehr denn je gefragt.

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Marktkommentar Juli 2022

Marktkommentar

Die Korrekturen der Preise an den Kapitalmärkten finden vor dem Hintergrund von Inflations- und Rezessionssorgen weiterhin statt. Die aktuelle Kriegssituation, die Zentralbankpolitik und auch unsichere Wachstumsaussichten bewegten im Juni 2022 die Investoren und führten zu deutlich mehr Vorsicht.

Die US-Notenbank FED erhöhte ihren Leitzins ein zweites Mal in diesem Jahr. Dieser Zinsschritt fiel mit 0,75 Prozentpunkten ungewöhnlich hoch aus. Eine solche deutliche Anhebung gab es zuletzt im Jahr 1994. Damit liegt die neue Leitzinsspanne der FED bei 1,50 bis 1,75 %. Die Inflation war im Mai in den USA auf 8,6 % gestiegen und erreichte damit den höchsten Wert seit 40 Jahren. Abzuwarten bleibt, ob die FED auch im Juli einen weiteren so massiven Zinsschritt wagt. Die stabile Arbeitsmarktsituation lässt dies nicht ausschließen.

Inflationsrate USA:

Auch die Europäische Zentralbank verkündete das Ende ihrer Anleihenkäufe und kündigt Zinserhöhungen für Juli an. Geplant sind 0,25 Prozentpunkte, welche nach 11 Jahren Dürre voraussichtlich in der Sitzung im Juli beschlossen werden. Mit weiteren Zinsanhebungen bis zum Ende des Jahres ist aufgrund der aktuell immer noch viel zu hohen Inflationszahlen zu rechnen. Die Reaktion der Märkte war verhalten, insbesondere weil eine solche Anhebung längst überfällig war. Zusätzlich führte die unerwartete Leitzinsanhebung der Schweiz im gleichen Zeitraum zu deutlichen Belastungen des Aktienmarkts. 

Am Anleihemarkt führte die Zinswende der US-Notenbank zu einem starken Anstieg der Renditen. Kurzlaufende Anleihen profitieren vor allem in der Steigerung der laufenden Verzinsung. So stieg die Verzinsung von US-Staatsanleihen mit fünf Jahren Laufzeit von 1,26 % zum Jahreswechsel auf satte 3,6 % Mitte Juni – damit erreichten diese fast eine Verdreifachung der Rendite binnen eines halben Jahres. Darin ist eine Markterwartung erkennbar, welche in den kommenden Monaten eine hohe Inflation mit höheren Zinsen bekämpfen will. Wie lange die Laufzeit dieser Strategie sein wird, ist zum heutigen Zeitpunkt nicht absehbar.

Große Verlustbringer waren auch im Juni erneut Kryptowährungen. Mehrere sogenannte Stable Coins konnten ihr Kursniveau nicht halten. Dieser Verkaufsdruck wurde auf andere Kryptowährungen übertragen und damit fiel die Marktkapitalisierung aller fast 20.000 Kryptowährungen gegenüber dem Hoch im vergangenen November von fast drei Billionen US-Dollar auf weniger als 900 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einem Kursverlauf von knapp – 70 %.

Für Aktienanleger ist 2022 bisher kein erfreuliches Jahr. Der S&P 500 legte mit einem Verlust von 13 % in Euro die schwächste erste Jahreshälfte seit 1970 hin. Der Euro STOXX 600 entwickelte sich mit minus 15 % ähnlich schlecht. In den USA konnten immerhin der Energiesektor mit einem plus von 44 % in Euro und Versorger mit knapp plus 6 % in Euro für etwas positive Stimmung sorgen. In Europa verzeichnete lediglich der Energiesektor ein Kursplus von 14 %. Die Schlusslichter mit minus 20 bis minus 37 % befinden sich sowohl in den USA als auch in Europa überwiegend in sensibleren Konjunktursektoren wie Technologie, Bau und zyklischer Konsum. Die Lage bei Aktien dürfte kurzfristig weiterhin angespannt bleiben.

An den Kapitalmärkten scheint bereits viel an Zins- und Konjunktursorgen eingepreist, jedoch dürften sich die aktuellen Turbulenzen erst beruhigen, wenn sich eine Reihe von Unwägbarkeiten legen. Dazu zählt neben der Entwicklung der Coronawelle und dem weiteren Verlauf des Ukraine-Russland-Konflikts insbesondere die Frage, ob die Notenbanken im Kampf gegen die Inflationsrisiken und der ggf. entstehenden Lohn-Preis-Spirale tatsächlich eine wirtschaftliche „Vollbremsung“ in Kauf nehmen oder aber sich eine Verschnaufpause im Zinserhöhungszyklus gönnen. Vor allem für die nächsten Wochen und Monate wird eines jedoch Bestand haben: anhaltend ausgeprägte Volatilitäten an den Kapitalmärkten.

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